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Der ELB-Schienenbus mit den Unterhändlern unterwegs im Bahnhof Etwashausen. Foto: Etwaige Nachrichten

Etwashausen, 29. Januar (Eigener Bericht) Die Etwashausener Lokalbahn (ELB) und die Ferrocariles Internacionales de San Escobar (FINSE) haben eine enge Kooperation auf dem Gebiet der Dokumentation und Kommunikation eisenbahnrelevanter Ereignisse vereinbart. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten die Vorstandsvorsitzenden beider Firmen am Freitag im berühmten Schienenbus der ELB in voller Fahrt zwischen Etwashausen und Finse, dem Sitz der europäischen Niederlassung der FINSE, wie die "Etwaigen Nachrichten" exklusiv erfuhren.

Auslöser für das Memorandum of Unterstanding (MoU), wie Foreign-Affiars-Profis sagen, waren Meldungen über eine Aussage des polnischen Außenminister Witold Waszczykowski. Dieser hatte in Gesprächen mit Vertretern des bisher von der Weltgemeinschaft weitgehend ignorierten Karibikstaats San Escobar Wohlwollen für eine Mitgliedschaft Polens im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erkannt.

Die Twitter-Präsenz des Staates San Escobar. Screenshot: Etwaige Nachrichten

Daraufhin ernannten die ELB den stadtbekannten Alt-68er Klaus-Dieter Schulze-Hartnack zum Sonder-Referenten für die Suche nach der dortigen Bahngesellschaft. "Schulze-Hartnack kennt sich mit Karibik-Produkten aus", begründeten sie ihre Personalie. Tatsächlich wurde er nach ein, zwei Tüten fündig bei dem Namen der Eisenbahngesellschaft des Inselstaats: Er heißt übersetzt "Internationale Eisenbahnen von San Escobar".
International? "Kein Wunder", sagte Schulze-Hartnack auf Anfrage der "Etwaigen Nachrichten". "In einem so kleinen Land, das nicht einmal auf Landkarten verzeichnet ist, ist noch weniger Platz als in Lummerland mit seinen zwei Bergen. Also muss es eine Company sein, die auch im Ausland aktiv ist."

Der Schnellzug aus Oslo fährt in Finse ein. Leider verpassten die "Etwaigen Nachrichten" den Halt des Schienenbusses in der norwegischen Kleinstadt. Screenshot: Etwaige Nachrichten mit freundlicher Genehmigung der Bergens Tidende, Bergen, Norwegen. (Leider reagiert das T-Online-CMS allergisch auf manche Verlinkung. Zum Erreichen der Webcam empfehlen die "Etwaigen Nachrichten" daher, nach "Finse Stasjon" zu googeln.)

Nach langer Recherche in diversen Bahnhöfen lernte Schulze-Hartnack, dass es einen Bahnhof gibt, der nach der Eisenbahngesellschaft von San Escobar benannt ist. "Allerdings liegt er ganz woanders als in der Karibik", sagte er. Im hohen Süden Norwegen stieß er auf eine Ortschaft namens Finse, und als er auf ELB-Kosten mit Moonboots aus alten Tagen im Winter dorthin fuhr, fand er, fast verdeckt im Tiefschnee den Schriftzug, der dem Schild am Hauptgebäude der FINSE in Santo Spiritu, der Hauptstadt von San Escobar, entsprach.
Schulze-Hartnack fertigte einen Bericht über seine Ermittlungen an, in dem er sicherheitshalber darauf hinweis, dass San Escobar nicht mit dem benachbarten San Monique verwechselt werden dürfe. Es existiert ebenfalls nur im Reich der alternativen Fakten und ist deshalb ein vergleichsweise wenig besuchtes Spionage-, Glücksspiel- und Geldwäsche-Zentrum.

Der berühmte Doppeldecker aus dem Geldwäsche-Paradies San Monique, in Aktion zu sehen in dem James-Bond-Film "Leben und sterben lassen". Foto:San Monique Transport

"In San Escobar ist zwar alles fiktiv, aber es geht mit rechten Dingen zu", erklärte er unter Hinweis auf die Ausführungen des polnischen Außenministers. Die ELB-Manager waren sofort Feuer und Flamme, als sie den Bericht lasen. Die CEOs beider Unternehmen setzten sich sofort miteinander in Verbindung. ELB-Vorstandschef Nikolaus Gosel beförderte Schulze-Hartnack zu seinem Referenten für internationale beziehungen und trug ihm auf, zusammen mit seinem Kollegen aus San Escobar die Absichtserklärung auszuarbeiten.

Anschließend legten sie den Ort der Unterzeichnung fest. Finse sollte es nicht werden, da es dort a) zu kalt sei und es b) nicht auf San Escobar liege, meinte Gosel. So entschied man sich für ein Teilstück der Strecke zwischen Etwashausen und Finse und schickte den Schienenbus mit den Managern auf die Reise.

"Es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen der ELB und der FINSE", sagte Gosel. "Beide sind weitgehend fiktiv, beide haben ein sehr hohes Ansehen in der internationalen Eisenbahnbranche, und beide zeichnen sich durch eine sehr hohe Pünktlichkeitsrate aus." Was im wesentlichen daran liege, dass sie einen sehr flexiblen Fahrplan hätten. Dieser passe sich den Arbeitszeiten des operativen Personals und dem Wetter "atmend" an. "Los trenes salen, cuando el personal es presente" (Die Züge fahren, wenn das Personal anwesend ist"), erläuterte FINSE-CEO Pablo "El Vagòn" Ortega.

So kam es zur Unterzeichnung im Schienenbus. Ortega wies darauf hin, dass die FINSE im Auftrag des Präsidenten der Volksrepublik San Escobar unterwegs sei ("Proveedores del Presidente"). Dagegen sei "By Appointment to HM The Queen" nur ein müder Abklatsch.

 
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